Europäisches Vorbild für barrierefreie Stadt- und Tourismusentwicklung - Bremerhaven gewinnt den zweiten Platz im European Access City Award 2021

02.12.2020

Die norddeutsche Großstadt Bremerhaven kann sich über den zweiten Platz im Wettbewerb um den European Access City Award freuen. Mit dem Award zeichnet die Europäische Kommission Städte aus, die erfolgreich daran arbeiten, barrierefreier zu werden, den gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderung zum städtischen Leben fördern und für ihre Angebote zu werben und diese weiterentwickeln.

Wir sagen Glückwunsch! Und freuen uns, dass wir mit unserem Gutachten „Barrierefreier Tourismus in der Seestadt Bremerhaven“ (PROJECT M, 2017) einen Beitrag zu dieser tollen Entwicklung leisten konnten.  

50 europäische Städte haben sich in diesem Jahr im Rahmen des Wettbewerbs beworben, sechs davon (Bremerhaven, Florenz, Gdynia, Jönköping, Komotini, Poznań) wurden durch eine Jury als Finalisten ausgezeichnet. Mit dem Access City Award werden die Bereitschaft, die Fähigkeit und die Bemühungen einer Stadt, barrierefreier zu werden, anerkannt und gefeiert, um den gleichberechtigten Zugang zu Grundrechten zu gewährleisten sowie die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und dafür zu sorgen, dass alle Menschen – unabhängig von Alter, Mobilität oder Fähigkeit – den gleichen Zugang zu allen Ressourcen und Freizeitangeboten haben, die Städte zu bieten haben.

Die Bremerhavener Bewerbung überzeugte die Jury vor allem durch ihre qualitativ hochwertige Angebotsvielfalt im Tourismus- und Freizeitbereich, die viele unterschiedliche Zielgruppen von Menschen mit Behinderungen erreicht. Bremerhaven ist seit dem Jahr 2019 Deutschland erster auf Barrierefreiheit geprüfter Tourismusort nach den Kriterien des Projekts „Reisen für alle“ und schafft unter anderem durch ein Tastmodell der Stadt, barrierefreie Rampen am Hafen und am Deich sowie Hebeliften zu den Traditionsschiffen, ein taktiles Wegeleitsystem, den Stadtplan „Barrierefreiheit“ mit Wissenswertem für eingeschränkte Besucher, rollstuhlgerechte Toiletten, Fahrstühle in vielen Freizeitbetrieben, sprechenden Haltestellen im ÖPNV und die „Reisen für alle“-Zertifizierung an vielen Geschäften und Einrichtungen einen konkreten Mehrwert für seine mobilitäts-, sensorik- oder aktivitätseingeschränkte Besucher.

Wichtige Impulse und die Grundlage für den Weg zum auf Barrierefreiheit geprüften Tourismusort lieferte ein 2017 durch PROJECT M erstelltes Gutachten zur Bestandsaufnahme der touristischen Einrichtungen und Areale zum Thema Barrierefreiheit. Aufbauend auf den Ergebnissen des Gutachtens, wurde kontinuierlich an noch vorhandener Barrieren abgebaut und weitere barrierefreie Angebote entwickelt.

Das Thema „Tourismus für Alle“ hat in den letzten Jahren deutschlandweit stark an Bedeutung gewonnen. Während sich der Begriff ursprünglich vor allem auf Menschen mit Behinderungen bezog, ist zum Einen eine große Gruppe von eingeschränkten Gästen auf barrierefreie Angebote angewiesen, zum Anderen profitiert eine weitere große Gruppe wie z.B. Familien oder ältere Menschen von komfortorientierten Angeboten. Dabei bringt die demographische Entwicklung eine stark wachsenden Zahl mobilitäts-, sensorik- und aktivitätseingeschränkter Menschen mit sich, woraus sich neue Bedürfnisse und damit zusätzliche Nachfragepotenziale für Städte ergeben.

Mit dem Silberpokal im Wettbewerb um Barrierefreiheit, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe nimmt Bremerhaven somit eine Vorbildfunktion auf europäischer Ebene ein, die andere Städte inspirieren soll, barrierefreier zu werden und die als Beispiel dafür dient, dass mit Zielstrebigkeit und einer breiten Akzeptanz und Unterstützung aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik vieles erreicht werden kann.

 

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Ansprechpartner

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Geschäftsführer

Peter C. Kowalsky

Bereichsleiter Destinationsmanagement und -entwicklung