Konzeptgutachten „Grenzen des Wachstums“ für die Schlei

09.11.2022

Ostseefjord Schlei

Für die Städte und Gemeinden der Region Ostseefjord Schlei ist der Tourismus der entscheidende Standortmotor, Wirtschaftsmotor und Garant für eine hohe Lebens- und Erlebnisqualität vor Ort. Gerade aufgrund der zentralen Bedeutung des Tourismus ist es daher wichtig, die Qualität, den wirtschaftlichen Wert und den Mehrwert des Tourismus für die Region zu sichern, bewusst zu steuern und nachhaltig auszubauen. Was hier Grenzen bedeuten und wie ein bewusstes, nachhaltiges Steuern aussehen kann, gilt es sehr differenziert zu betrachten.

Angesichts stark steigender Kapazitäten und Nachfrage, besonders in Kappeln, mit denen in der Hochsaison weder die lokale Infrastruktur noch die Akzeptanz der Einheimischen für mehr Gäste mithalten kann, stellt sich die Schlei-Region die Frage nach einer Begrenzung der touristischen Entwicklung. Gleichzeitig braucht es in der Nebensaison oder auch im Binnenland eine stärkere Auslastung und ein stärkeres freizeittouristisches Angebot, um Infrastruktur und Arbeitskräfte halten und finanzieren zu können.

„Es kann nicht das Ziel sein, dass jeder blind vor sich hin wächst“. Es ist eine für den Tourismus noch ungewöhnliche Devise, die der Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH, Max Triphaus, mit Blick auf die rasante Entwicklung der Region seit ihrer Teilnahme am Corona-Modellprojekt im Jahr 2021 herausgibt.  

Impressionen von der Schlei

Entsprechend der touristischen Kapazitätserweiterungen und der Hochrechnung der Nachfragprognose im Jahr 2025 werden auch der Anreise- und Abreiseverkehr und die Ausflugsfahrten in die Region steigen. Durch die geplante und bereits festgesetzte Kapazitätsentwicklung bis 2025 wird – unter der Annahme, dass alle anderen Faktoren gleichbleiben – der Pkw-Verkehr allein durch Übernachtungsgäste in der Region um 22% zunehmen. Dies entspricht rd. 4.380 Pkw-Fahrten mehr an einem durchschnittlichen Tag in den Sommermonaten. Diese verteilen sich natürlich in der Region, ein großer Teil davon wird sich jedoch an den bekannten Engstellen bündeln. Zudem ist der zusätzliche Verkehr durch den Tagestourismus in die Region zu berücksichtigen, der je nach Saison und Wetterlage noch einmal deutliche Mehrbelastungen auf den Verkehrswegen und im ruhenden Verkehr erzeugt.

Umdenken: „Grenzen des Wachstums“

Wie Grenzen konkret aussehen und für unterschiedliche Teilräume gestaltet werden können, was an touristischer Nachfrage voraussichtlich noch auf die verschiedenen Teilregionen zukommt, was das an Effekten und Mobilitätsbewegungen in der Anreise und bei Ausflugsreisen vor Ort auslöst und welche Verbesserungen in verschiedenen Teilregionen hinsichtlich Angebot und Mobilität umgesetzt werden müssen, durfte PROJECT M gemeinsam mit der Planersocietät herausarbeiten. Das Konzeptgutachten „Grenzen des Wachstums - Konzept zur qualitativen Entwicklung und Selbstbeschränkung des regionalen Tourismus in der Region Ostseefjord Schlei“ zeigt damit erstmals bewusste Grenzen im Deutschlandtourismus auf und wie kommunale Entscheidungsträger, Tourismusorganisationen und Leistungsträger damit proaktiv umgehen können. 

Zukünftig wird der Fokus auf einem qualitativen Wachstum liegen, um den schwierigen Balanceakt zwischen nachhaltiger Profilierung auf der einen und Forcieren der Tourismusentwicklung auf der anderen Seite erfolgreich zu meistern. 

Handlungsfelder und Empfehlungen für die Steuerung der qualitativen Entwicklung und Selbstbeschränkung des Tourismus in der Region Ostseefjord Schlei

Die Region steht vor großen Aufgaben, die sich nur z.T. langfristig und gemeinsam mit allen Tourismuspartnern lösen lassen: Hotspots entlasten, Besucher besser lenken, Lösungen für den Personalmangel und Wohnungsmangel finden, dazu das Gleichgewicht zwischen der Zufriedenheit der Gäste und der Einheimischen im Blick behalten.

Als Handlungsrahmen zur Steuerung der qualitativen Entwicklung und Selbstbeschränkung des Tourismus in der Region Ostseefjord Schlei werden fünf Handlungsfelder definiert. Diese Handlungsfelder greifen die Bezüge zum ebenfalls von PROJECT M erstellten Tourismusentwicklungskonzept Ostseefjord Schlei vollständig auf und sind damit als ergänzender Baustein der nachhaltigen Tourismusentwicklung zu verstehen. Sie stehen im Einklang mit den im TEK definierten Leitzielen für die Gesamtregion und der im Konzept verankerten, besonderen Betrachtung der Städte Kappeln und Schleswig. Ein wichtiger Schwerpunkt bleibt die Bestandsentwicklung und der gezielte Ausbau von freizeittouristischen Angeboten und Erlebnisinfrastrukturen zur Stärkung der Marken- und Erlebnisqualität zu allen Saisonzeiten in den verschiedenen Teilräumen. 

Handlungsfelder

Mehr Infos zum Projekt und den Inhalten: Pressemeldung der OfS zum Konzeptgutachten „Grenzen des Wachstums“ 08.11.2022

Ansprechperson

Peter C. Kowalsky

Bereichsleiter Destinationsmanagement und -entwicklung